Wenn der Verschleiß geplant ist

Erstellt: Donnerstag, 22. November 2012
Durch geplante Obszoleszenz fällt massenhaft Elektroschrott an.

Das Phänomen ist inzwischen bekannt und immer besser dokumentiert: der neue Flachbildfernseher oder das neue Handy geben kurz nach Ablauf der Garantiezeit den Geist auf. Die Häufung dieser „Zufälle“ legt die Vermutung nahe, dass dahinter ein System steckt – die sogenannte „geplante Obsoleszenz“.

Von Marketingstrategen auch schon mal als „sinnvolle Gebrauchsdauer“ beschönigt, bedeutet geplante Obsoleszenz nichts anderes, als die Lebensdauer von Produkten bewusst zu verkürzen.  Das geschieht z.B., indem in die verkauften Produkte Schwachstellen eingebaut oder bewusst minderwertige Materialien verwendet werden, die dazu führen, dass das Gerät nach einer definierten Lebensdauer kaputtgeht oder leichter beschädigt werden kann. Das Ziel der Konzerne hinter dieser Strategie ist simpel: den Konsum zu befeuern und die Kunden zum Kauf neuer Produkte zu bewegen.

Das Thema ist bereits lange bekannt und zieht sich durch die unterschiedlichsten Branchen – ist aber in den wenigsten Fällen eindeutig zu beweisen. Eines der bekanntesten Beispiele  ist das sog. „Phöbus-Kartell. In diesem Kartell hatten sich die international führenden Glühbirnenproduzenten zusammengeschlossen und einigten sich 1924 auf eine künstliche Begrenzung der Leuchtdauer ihrer Glühbirnen – von 2.500 Stunden auf maximal 1.000 Stunden. Neben diesem frühen Beispiel gibt es zahlreichere weitere:

  • Flachbildfernseher: Billige Elektrolytkondensatoren (Elkos) werden in teure Flachbildfernseher eingebaut und brennen kurz nach Ablauf der Garantiezeit durch.
  • Tintenstrahldrucker mit eingebautem Seitenzähler, der nach überschreiten dieser Zahl den Defekt des Geräts herbeiführt
  • Ein sicheres Zeichen für geplante Obsoleszenz sind fest eingebaute Akkus. Wenn der Akku kaputt ist und nicht ausgetauscht werden kann, ist zumeist auch das ganze Gerät kaputt.

Nachweisbarkeit nahezu unmöglich

ifixit manifesto 900x1390Die geplante Obsoleszenz ist also keine Verschwörungstheorie sondern aus Sicht der Wirtschaft ein höchst profitables System. Durch qualitativ schlechteres Material können direkt Kosten eingespart und zukünftig höherer Umsätze gesichert werden, da dann die kürzere Lebensdauer der Produkte zu Buche schlägt. Stefan Schridde, der Initiator des Portals „Murks –Nein Danke“ erklärt das Kalkül der Unternehmen: „Es ist ein Kennzeichen moderner Unternehmensführung, dass die Produktentwicklung insgesamt einem geplanten Prozessmanagement unterworfen ist. Daher darf von der sorgfältigen Planung solcher Strategien der Obsoleszenz ausgegangen werden.“

Den Kürzeren bei diesem System zieht der Verbraucher. Denn er ist es, der aus seinem Geldbeutel die neuen Produkte finanziert. Wer will schon auf seinen morgendlichen Toast  verzichten, wenn der alte Toaster kaputt gegangen ist? Doch weitaus schlimmer sind die Folgen für die Umwelt. Nicht nur die Ausbeutung der Rohstoffe spielt dabei ein Rolle, sondern vor allem der sich auftürmende Elektroschrott. Dieser landet viel zu selten auf deutschen Entsorgungshöfen sondern wird stattdessen nach Afrika verschifft. Dort werden die Geräte dann unter freiem Himmel einfach verbrannt. Die dabei entstehenden Giftstoffe belasten die Gesundheit der Menschen und die Umwelt schwer. 

Tipps für Verbraucher

Was können Verbraucher nun gegen die geplante Obsoleszenz tun?  Rechtlich gesehen hat man als Betroffener kaum eine Handhabe, denn die Lebensdauer der Produkte ist so angelegt, dass sie immer kurz nach Ablauf der Garantie oder der Gewährleistung verfällt. Ein kostenloser Umtausch ist dann ausgeschlossen und eine Reparatur häufig so teuer, dass Sie sich kaum lohnen würde. Hier  ist in erster Linie die Politik aufgerufen, die gesetzlichen Bestimmungen anzupassen. So fordert die Umweltschutzorganisation BUND beispielsweise, in regelmäßigen Abständen für jedes Produkt die "durchschnittliche Lebensdauer" zu ermitteln und eine ein Drittel darüber liegende Mindestgarantiezeit festzulegen. Aber auch Verbraucher können aktiv werden. Auf der Seite „AKKU-Austauschbarkeit sicherstellen“ kann man die gleichnamige Petition unterschreiben

Trotzdem gibt es ein paar Tipps, die man beherzigen kann:

  • Plant man eine Anschaffung, kann man sich beispielweise über das Portal „Murks nein Danke“ darüber informieren, ob es bereits bekannte Schwachstellen gibt oder der Hersteller negativ aufgefallen ist. Auch wenn man schlechte Erfahrungen mit einem Produkt gemacht hat kann man dieses Forum nutzen, um andere davor zu warnen.  Schridde möchte mit dem Portal den Verbrauchern erleichtern, „geplante Obsoleszenz in allen Variationen sichtbar zu machen und darüber transparent aufzuklären. Außerdem werden positive Beispiele (z.B. Offene Werkstätten, Initiativen zu Mitmachen, Reparaturanleitungen, Produktempfehlungen von BürgerInnen, Hersteller und Hälogo murks-nein-dankendler ohne Murks, zielführende Initiativen der Unternehmen) aufgezeigt und eingebunden.“ Immerhin, die Medien haben das Thema bereits aufgriffen und in zahleichen Artikeln und Beiträgen bereits beschrieben.
  • Ein weiterer Indikator, wenn auch mit Einschränkungen, bleibt der Preis. Bei einem elektrischen Rasierapparat für 10 Euro ist die kurze Lebensspanne mit eingepreist – eben um einen neuen zu kaufen. Außerdem sind die sog. „After-Sales-Gewinne“ ein Tipp. Wenn also Unternehmen beispielsweise mit dem Verkauf von Kaffeepads oder Zahnbürstenköpfen für ihre Geräte gute Gewinne erzielen, ist in den meisten Fällen nicht davon auszugehen, dass die Maschinen frühzeitig defekt sind.

Und hat man einmal Pech gehabt und muss ein Elektrogerät entsorgen, sollte man darauf achten, es fachgerecht entsorgen zu lassen. Das fängt schon bei der elektrischen Zahnbürste an und geht bis zum Computer. Doch es muss nicht immer die Müllhalde sein. Inzwischen gibt es viele Bastler oder sog. „Reparatur-Clubs“ die die alte Mikrowelle  wieder flott machen. Vielleicht kann man das Gerät aber auch selbst reparieren. Auf iFixit gibt es mittlerweile zahlreiche Anleitungen (momentan nur auf englisch), wie man sein defektes  Tablet oder den MP3-Player wieder flott kriegen kann.