EU: Apple führt Kunden in die Irre

Erstellt: Donnerstag, 04. Oktober 2012
Der US-amerikanische Elektronikkonzern hat Post von EU-Justizkommissarin Viviane Reding bekommen. Sie hält Apple vor, Verbraucher nicht ausreichend über die Gewährleistungsbedingungen in der EU zu informieren und stattdessen den hauseigenen AppleCare Protection Plan prominent zu bewerben.
Der US-amerikanische Elektronikkonzern hat Post von EU-Justizkommissarin Viviane Reding bekommen.

Der US-amerikanische Elektronikkonzern hat Post von EU-Justizkommissarin Viviane Reding bekommen. Sie hält Apple vor, Verbraucher nicht ausreichend über die Gewährleistungsbedingungen in der EU zu informieren und stattdessen den hauseigenen AppleCare Protection Plan prominent zu bewerben.

Apple bietet auf all seine Produkte standardmäßig eine einjährige Herstellergarantie. Mit dem AppleCare Protection Plan lässt sich diese Garantie gegen Gebühr auf zwei (iPhone, iPad, iPod, Apple TV) bzw. drei (Mac, Display) Jahre verlängern. Hier setzt Redings Kritik an. Denn statt auf den Schutz der Verbraucher durch EU-Recht hinzuweisen, wird stattdessen die Garantieverlängerung von Apple in den Vordergrund gerückt: „Apple wirbt prominent dafür, dass seine Produkte eine einjährige Herstellergarantie haben, versäumt es aber, klar darüber zu informieren, dass Verbraucher laut EU-Recht ein automatisches und kostenloses Anrecht auf einen gesetzlichen zweijährigen Gewährleistungsanspruch haben“, so Reding in Ihrem Brief.

Diese Praxis hatten auch die deutschen Verbraucherschützer kritisiert und bereits im März, zusammen mit zehn weiteren europäischen Verbraucherschutzzentralen erklärt, dass durch Apples Werbung für AppleCare Protection Plan beim Kunden der Eindruck entstehen könnte, nach Ablauf der einjährigen Herstellergarantie keine weitere Gewährleistung auf das Produkt zu haben.

Die EU schützt den Verbraucher aber durch eine zwei Jahre dauerende Gewährleistung. Damit scheint der Fall klar, Apple täuscht die Verbraucher. Nicht ganz, denn tatsächlich ist die Sache komplizierter, weil zwischen Gewährleistung und Garantie unterschieden werden muss.

Gewährleistungsanspruch in der EU

Apple-Care-Protection-Plan-595x509Kauft ein Verbraucher jetzt beispielsweise ein neues iPhone 5, greift EU-weit der Gewährleistungsanspruch. Gewährleistung bedeutet, dass das iPhone, das der Verbraucher beim Kauf erworben haben, frei von Mängeln oder Schäden ist und mit allen in der Werbung zugesicherten Eigenschaften übergeben werden muss. Der Gewährleistungsanspruch gilt zwei Jahre ab Kaufdatum und ist rechtlich bindend. Selbstverständlich greift der Gewährleistungsanspruch auch nur dann, wenn der Defekt ohne eigenes Verschulden eingetreten ist. Wenn innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten dann ein Defekt auftritt, geht der Gesetzgeber automatisch davon aus, dass dieser Defekt schon vorher bestanden hat. Der Kunde kann seine Ware also problemlos umtauschen. Liegt das Kaufdatum des Produkts mehr als sechs Monate in der Vergangenheit, nachdem ein Mangel aufgetreten ist, kann der Verbraucher immer noch, im Rahmen einer zweijährigen Verjährungsfrist Ansprüche gelten machen. Allerdings ist ab diesem Datum die Beweislast umgekehrt, d.h. der Verbraucher muss nun nachweisen, dass der Mangel bereits beim Kauf bestanden hat. In der Praxis ist dies ein nicht ganz einfaches Unterfangen.

Herstellergarantie

Im Gegensatz dazu ist die Garantie eine freiwillige Leistung des Unternehmens und hat nichts mit der Gewährleistung zu tun. Die Herstellergarantie greift allerdings nur dann, wenn das Gerät ohne eigenes Verschulden nicht mehr funktioniert. Besteht noch Garantie und der Verbraucher hat den Fehler oder Schaden nicht selbst verursacht, besteht die Möglichkeit das Gerät einzusenden oder umzutauschen. Mit dem AppleCare Protection Plan bietet das Unternehmen seinen Kunden an, die einjährige Herstellergarantie gegen Gebühr zu verlängern.

Berechtigte Kritik

Juristisch kann man Apple wohl kaum Vorwürfe in diesem Fall machen. Trotzdem ist die Kritik der EU berechtigt. Denn Apple macht es sich einfach. Der Konzern stellt seine eigenen Dienstleistungen in den Vordergrund und geht davon aus, dass der Verbraucher seine Rechte kennt. Ein versteckter Link auf die Verbraucherschutzgesetze reicht nach Apples Meinung völlig aus und ohnehin bietet der AppleCare Protection Plan ja den besseren Schutz. Das mag unter Umständen zwar sein, darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es sich um ein Geschäftsmodell handelt. Apple möchte mit der Garantieverlängerung vor allen Dingen Geld verdienen und weist daher nur im Kleingedruckten auf die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche hin.