Gesetzliche Gewährleistung: Reparatur, dann Umtausch

Erstellt: Montag, 30. April 2012
Gewährleistung: Erst nach zwei Reparaturversuchen kann Geld zurück verlangt werden.
Produkthaftung: Der Händler hat bei Mängeln zwei Reparaturversuche

Viele Verbraucher sind der Meinung, dass sie bei Mängeln an einem gekauften Produkt ein Anrecht auf Rückerstattung des Kaufpreises haben. Während der gesetzlichen Gewährleistung hat der Händler jedoch ein Anrecht auf „Nacherfüllung“.

Frisch zuhause ausgepackt stellt sich heraus, dass der gekaufte Laptop nicht richtig startet. Fehlermeldungen beim Booten deuten auf einen Fehler hin. Viele Verbraucher sind in solch einem Fall der Meinung, dass sie den Laptop zurückbringen können und das Geld wieder erhalten. Dass dies einige Händler akzeptieren und das Geld wieder zurückgeben, ist reine Kulanz!

Recht auf Nacherfüllung

Die gesetzliche Gewährleistung gibt keinerlei Grundlage für die Rückerstattung des Kaufpreises. Vielmehr hat der Händler ein Recht auf Nacherfüllung. Er darf also das Produkt reparieren oder gegen ein anderes aus derselben Serie austauschen. Der Kunde kann dabei entscheiden ob er einen Ersatz oder eine Reparatur vorzieht. Allerdings kann der Händler den Austausch ablehnen, wenn dieser zu teuer oder unmöglich wäre.

In den ersten sechs Monaten muss der Händler nachweisen, dass das Produkt nicht schon beim Kauf den Fehler hatte. Kann er nicht nachweisen, dass das Produkt beim Kauf in Ordnung war, wird automatisch davon ausgegangen, dass der Fehler von Anfang an existierte. Nach den sechs Monaten kehrt sich die Beweispflicht um und der Kunde muss nachweisen, dass der Fehler schon von Anfang an bestand.

Reparatur bei Produktmangel

Da der Händler den Austausch ablehnen kann, wird es meist auf einen Reparaturversuch herauslaufen. Oft hängt das auch an der Art des Produktes. Ein iPhone, das doch recht teuer ist, wird eher repariert, ein billiger MP3-Player einfach getauscht. Meistens muss sich aber der Käufer mit der Reparatur zufrieden geben.

Die Reparatur sollte in einem angemessenen Zeitraum erfolgen. Wie lange es dauern darf, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Beim Auto sollte es etwa nicht länger als eine Woche dauern, bei einem Fernseher kann man bei einer Dauer von zwei bis drei Wochen noch nichts einwenden. Es hängt davon ab, wie wichtig das Produkt für das tägliche Leben ist und wie rasch es wieder benötigt wird.

Bei einem Ersatzgerät kann der Händler auch ein einfacheres Produkt anbieten. Anstelle des defekten iPhones erhält man zum Beispiel ein einfaches Handy zum Telefonieren - ohne Internet-Funktionen. Das Ersatzgerät ist ein Entgegenkommen des Händlers und er ist nicht verpflichtet ein Ersatzgerät zu stellen. Somit hat man auch keinen Anspruch auf ein gleichwertiges Produkt.

Zwei Reparaturversuche, dann Geld zurück

Der Händler hat zwei Versuche das Produkt zu reparieren (§ 440 Satz 2 BGB). Schlagen beide Versuche fehl, so hat der Kunde das Recht vom Kauf zurückzutreten. Aber auch erst dann. Die Ware muss zurückgegeben werden und man erhält den Kaufpreis rückerstattet. Alternativ kann auch ein Preisnachlass ausgehandelt werden.

Rücktritt vom Kauf

Man kann also erst vom Kauf zurücktreten, wenn die beiden Reparaturversuche fehlgeschlagen sind. Für den Rücktritt vom Kauf einer einwandfreien Ware gibt es keine Gesetzesgrundlage. Man kann nur auf die Kulanz des Händlers hoffen, wenn man das Produkt in der Originalverpackung und mit Kassenzettel möglichst umgehend zurück bringt.

Einzig bei Haustür-, Fernabsatz- und Verbraucherkreditgeschäften gibt es ein Widerrufsrecht von 14 Tagen. Hat man also beim Online-Händler gekauft, kann man innerhalb von 14 Tagen das Produkt zurück senden und das Geld zurück verlangen.

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